Handzeichnung: Fahrgäste am Hamburger Hauptbahnhof

Wer lenkt eine S-Bahn, bevor sie überhaupt fährt?

Tilo Langpap, Verkehrsplaner Schiene beim HVV

Bis so eine neue S-Bahn mal rollt, vergehen viele Jahre. Und viele Besprechungen. Ich organisiere eine dieser vielen „Runden“, die sich Koordinierungskreis – kurz KK – nennt. Neben dem KK gibt es noch den LK und eine Reihe von AGs. Alles klar?

Es ist ja so: Die S4 ist das größte Projekt im S-Bahnbereich seit der S-Bahn nach Harburg im Jahr 1984 – sowohl was die Länge der Strecke als auch das finanzielle Volumen angeht. Vergleichbar aktuell wohl nur mit der Planung der U5, die natürlich um ein vielfaches teurer wird, weil sie unterirdisch und innerstädtisch fahren wird, aber das nur am Rande. Und so ein Projekt braucht immer eine Fachebene und eine politische Ebene. Die Politik entscheidet, die Fachleute bereiten die Entscheidungen vor. Eine weitere Besonderheit der S4 ist der Bau in zwei Bundesländern. Alle Interessen müssen unter einen Hut gebracht werden. Dementsprechend gibt es einen Lenkungskreis (LK) der Projektpartner unter Leitung des Ministeriums in Schleswig-Holstein und der Behörde in Hamburg. Darunter arbeitet der KK, in dem die Fachleute der Deutschen Bahn AG sowie der Behörden und Verkehrsverbünde beider Länder sitzen. Die Arbeitsgruppen (AGs, z.B. für Kommunikation) behandeln einzelne Themen.

Der KK hat die Aufgabe Informationen auszutauschen, Abstimmungsprozesse zu moderieren, Probleme zu lösen, Kontakte herzustellen und Ansprechpartner zu finden. Obwohl die DB Netz AG das Vorhaben S4 umsetzt, fallen nicht alle Aufgaben in ihre Zuständigkeit. Hier schließt der KK an.

Im KK, den es bereits seit 2012 gibt, lösen wir meist sehr spezifische Aufgaben und Fragestellungen. Das geht von der Gestaltung einer Unterführung, z.B. für die Veloroute am Pulverhof, über die Lage von Bushaltestellen, bis hin zur Abstimmung von Varianten der Strecke für die Finanzierungsverhandlungen der Länder mit dem Bund. Also von sehr kleinteilig bis sehr umfassend. Bei einer Bushaltestelle geht es manchmal um Zentimeter. Wir müssen eine abgestimmte Meinung herstellen, eine gemeinsam vertretbare Lösung finden und da müssen alle Seiten Kompromisse machen. Es wird also auch bei uns manchmal politisch und da ist durchaus Fingerspitzengefühl erforderlich.

Ich bin Tilo Langpap, von Haus aus Eisenbahnbetriebsingenieur und beim HVV „Verkehrsplaner Schiene“. Heißt: Im Bereich Schienenverkehr/Planung bin ich für alle mittel- und langfristigen Planungen im Schienenverkehr zuständig. Sowohl für den Ausbau von Infrastruktur als auch für Betriebskonzepte. So ein Fahrplan steht ja für viele Jahre und ist ein fragiles Konstrukt, an dem man nicht einfach so ziehen kann. Beim Jahresfahrplan wird mal nachgeschliffen, z.B. zusätzliche Fahrten eingefügt, aber nichts gravierend geändert. Warum? Jede noch so kleine Anpassung hat Auswirkungen auf das gesamte System. Speziell in Ballungsräumen wie Hamburg fehlen dem Planer die Freiheitsgrade. Jede Linie ist hier mit anderen verknüpft.

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