Handzeichnung: Fahrgäste am Hamburger Hauptbahnhof

Wie wird die S-Bahn eigentlich mit Strom versorgt und welche Besonderheit gibt es bei der S4?

Simon Diestel, DB Energie GmbH

Seit den 1930er Jahren wird die Hamburger S-Bahn mit 1.200 Volt Gleichstrom betrieben. Dieser wird den Fahrzeugen über eine neben den Fahrschienen montierte Stromschiene zugeführt, über die am Fahrzeug befindliche Stromabnehmer schleifen. Für die Einspeisung in die Stromschiene stehen in Hamburg entlang der S-Bahn-Strecken verteilt heute 26 sogenannte Gleichrichterwerke, die 25.000 Volt Wechselstrom in 1.200 Volt Gleichstrom umwandeln. Im Schnitt steht also alle fünf bis sechs Kilometer so ein Werk.

Quelle: Freie und Hansestadt Hamburg, BWVI/Manfred Dube
Die S-Bahn-Züge der S4 können sowohl mit Gleichstrom als auch mit Wechselstrom arbeiten.

Für den Bau der Linie S4 ist ein weiteres Gleichrichterwerk in Planung, welches den Streckenast von Hasselbrook bis hinter die Station Bovestraße mit Strom versorgt. Da die S4 im äußeren Streckenabschnitt auf den bestehenden Gleisen gemeinsam mit der Fernbahn unter der Oberleitung mit Wechselstrom von 15.000 Volt und einer Frequenz von 16,7 Hertz fahren soll, werden hier S-Bahn-Züge eingesetzt, die mit beiden Spannungssystemen arbeiten können. Diese Besonderheit gibt es deutschlandweit bisher nur auf der Strecke der S3 von Hamburg nach Stade, wo der Wechsel von einem zum anderen System im Bereich Neugraben stattfindet.

Eine solche sogenannte Systemwechselstelle ist auch zwischen der Station Bovestraße und der Eisenbahnüberführung Luetkensallee geplant. Da die beiden Spannungssysteme unter keinen Umständen eine Verbindung miteinander haben dürfen, wird ein „stromloser“ Abschnitt von mindestens einer Zuglänge vorgesehen, den die S-Bahn-Züge ohne Antrieb mit Schwung durchfahren müssen. Während dieser kurzen Zeit muss dann der Stromabnehmer auf dem Dach angehoben (bzw. gesenkt) werden und der Betrieb kann im anderen System weitergehen, so dass man als Fahrgast davon in der Regel nichts mitbekommt. Sollte doch mal ein Zug im stromlosen Abschnitt zum Stehen kommen, sorgt das dort vorhandene leichte Gefälle dafür, dass der Zug langsam zurück rollen kann.

Die S-Bahn Hamburg wird seit 2010 zu 100% mit Ökostrom aus Wasserkraft versorgt. Im Vergleich zur PKW-Nutzung werden dadurch schon heute jährlich etwa 200.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Mit der Betriebsaufnahme der S4 wird sich diese Einsparung weiter erhöhen.

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